Der Weg in die Private Cloud

In kaum einem Unternehmensbereich nimmt man die Notwendigkeit zur Kostensenkung so wahr wie im IT-Betrieb. Wo vor nicht allzu langer Zeit steigende Budgets noch als gesichert galten, ist mittlerweile die Forderung nach einer Reduzierung der Betriebskosten um mehr als zehn Prozent im Jahr keine Seltenheit mehr. Andererseits steigen die Anforderungen permanent. Wo in einem SLA früher die Vereinbarung einer garantierten Verfügbarkeit der Infrastruktur ausreichend war, steht heute oftmals die Nutzbarkeit der jeweiligen Applikation im Vordergrund – es hat der IT-Betrieb also beispielsweise auch dafür Sorge zu tragen, dass eine Datenbank die richtigen Daten ausliefert oder die Performance der Applikation den Ansprüchen der Anwender genügt.

Initiales Ziel des Outsourcings bei einem der Kunden war die Sicherstellung eines störungsfreien Betriebs nicht nur der Hardware, sondern vor allem der Kundenapplikation und die Ablösung nicht ausfallsicherer Altsysteme unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dieses Ziel wurde 2006 mit den klassischen Mitteln des Outsourcings erreicht. Für eine anstehende Vertragsverlängerung setzte der Kunde zwei große Ziele. Erstens sollte die derart betriebene Umgebung deutlich flexibler werden, da das Business für das starken Schwankungen unterliegende Geschäft rasche Skalierungsmöglichkeiten fordert. Zweitens war eine erhebliche Senkung der Betriebskosten gefordert, um den eigenen Kostendruck abzufedern, ohne eine positive Geschäftsentwicklung zu behindern.

Der klassische Ansatz, um im Outsourcing-Geschäft Kosten einzusparen, ist es zu standardisieren und zu konsolidieren. Dabei wird der Fokus auf die beiden größten Kostenblöcke gelegt: IT-Infrastrukturkosten und Administrationskosten (Personal). Bei der Infrastruktur versucht man einmal durch Standardisierung die Einkaufspreise zu senken, zum anderen schafft man von mehreren Kunden gemeinsam genutzte Infrastrukturen (Shared Infrastructure), so dass große Vorab- oder Pufferinvestitionen vermieden werden. Außerdem kann durch eine Standardisierung der Umgebung sowohl in Hardware- als auch in Software-Infrastruktur der administrative Aufwand im Sinne der Skaleneffekte und der Stückkostensenkung verringert werden, was sich auf die für den Betrieb benötigte Personalstärke positiv auswirkt.

Zeitverbrauch bei der Fehlerbehebung

 

Diese Konsolidierung funktioniert für entsprechend massenfertigbare Dienste wie SAP-Anwendungen, File-Services oder Datenbanken recht gut, entsprechende Hosting-Farmen werden von allen großen Outsourcern angeboten. Der durch Skaleneffekte erzielbaren Ersparnis sind allerdings natürliche Grenzen gesetzt.

Um bei den Administrationskosten weiter zu sparen, wird naturgemäß Personal reduziert oder in Regionen mit niedrigen Personalkosten ausgelagert. Solche Ansätze werden schnell problematisch, wenn das eingesetzte Personal das Geschäft des Kunden nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, auf Grund kultureller Grenzen nicht nachvollziehen kann oder regelmäßig Reibungsverluste durch scheinbare Kleinigkeiten wie Sprachprobleme, Kommunikationsprozesse und unterschiedliche Zeitzonen auftreten. Erfahrungsgemäß nimmt jeder Manager, der eine Offshoring- oder Nearshoring-Strategie wählt, einen Qualitätseinbruch in Kauf, der wenn überhaupt erst mittelfristig wieder aufgeholt werden kann.

Einen Ausweg verspricht die Automatisierung von Rechenzentrums-Prozessen. Aus diesem Grund ist ein breites Spektrum an neuen Softwareprodukten entstanden, die wie Run Book Automation, Data Center Automation, IT Process Automation oder Workload Automation eine höhere Produktivität des eingesetzten Personals versprechen. Dabei bekommen die vorhandenen IT-Experten bessere Werkzeuge, die die Durchführung einer genau beschriebenen Tätigkeit wesentlich beschleunigen. Theoretisch macht sich die IT damit die Tugenden der industriellen Fertigung zu Eigen: Geringere Qualitätsvarianzen und höhere Effizienz durch Automatisierung. Allerdings ist den genannten Methoden gemein, dass sie im Gegensatz zu industriellen Prozessen lediglich darauf abzielen, den menschlichen Administrator zu Tätigkeiten aufzufordern bzw. ihm die Durchführung von bestimmten Tätigkeiten zu erleichtern, statt ihm diese abzunehmen, so dass in letzter Konsequenz der Mensch nach wie vor den Flaschenhals bildet.

Außerdem wird der meiste Aufwand im IT-Betrieb eben gerade nicht durch das standardisierte Massengeschäft, sondern durch die Abarbeitung nicht standardisierter Anforderungen verursacht. Unvorhersehbarer Aufwand entsteht immer dann, wenn die funktionierende produktive Umgebung in irgendeiner Weise verändert werden soll oder wenn ein unbekanntes Problem eintritt, das zunächst in mühsamer Kleinarbeit und unter Hinzuziehen diverser Experten seziert werden muss, bevor es schließlich gelöst wird. Vor allem bieten die klassischen Verfahren bislang überhaupt keine befriedigende Lösung für einen qualitativ hochwertigen, aber preiswerten Betrieb von echten Individualentwicklungen – dabei bergen gerade diese Umgebungen die größten Differenzierungschancen für den Kunden und sind am Markt am interessantesten.

Der neue Ansatz: Autopilot-gesteuerte Private Cloud

Um in Anbetracht der oft individuellen Applikationen bei arago-Kunden den Kostenaufwand im IT-Betrieb bei gleichbleibender Qualität weiter zu senken und die gewünschte Flexibilität beim Auf- oder Abbau von IT-Komponenten zu unterstützen, setzt arago in der Abteilung Systembetrieb vermehrt auf zwei Komponenten:

  • Eine „echte“ Automatisierung des System- und Applikationsbetriebes, die mit individuellen Anforderungen umgehen kann und den menschlichen Administrator wirklich entlastet, statt ihn lediglich zu treiben.
  • Die Schaffung einer Private Cloud, um durch eine vollständige Virtualisierung der Server-Landschaft Skaleneffekte auch für kurzfristigen Ressourcenbedarf verfügbar zu machen und so über die reine Server-Konsolidierung hinaus zu nutzen.

Das dynamische Konzept des Cloud-Computing bildet die Voraussetzung für eine Flexibilisierung der IT und die damit verbundene Verbesserung der Auslastung vorhandener Ressourcen (Abbau von Pufferinvestitionen, Energieeinsparungen, etc.) sowie der Nutzbarkeit temporär hinzu gemieteter Ressourcen für den temporären Bedarf. Allerdings kann der Administrationsaufwand für eine sich solchermaßen dynamisch verändernde IT-Umgebung nicht mehr allein von einem Menschen mit Werkzeugen erbracht werden. Um den gewünschten Effekt zu realisieren, ist es daher erforderlich, dass beide Lösungsteile – Cloud-Infrastruktur und Autopilot-IT-Betrieb – nahtlos ineinander greifen.

Um individuelle Anwendungen effizient zu betreiben, benötigt man entweder sehr viel Fach-Know-how oder über die übliche Standardisierung und Konsolidierung hinausgehende Verfahren, um Kosten zu senken.

Dazu kann die arago-Lösung Autopilot ganz individuell auch solche Störungen (Incidents) in der Systemlandschaft, die nur ganz selten auftreten oder in einer bestimmten Ausprägung noch gar nie aufgetreten sind, weitgehend automatisch bearbeiten und damit Verfügbarkeit wie auch Compliance verbessern, während die erforderlichen Personalkosten gering gehalten werden und die vorhandenen Experten sich auf den Kunden konzentrieren können. Basis der Lösung ist ein Regel-Pool für die Ablage der Erfahrungen rund um die Bearbeitung von Vorfällen sowie ein IT-Modell, das die Abhängigkeiten zwischen der IT und den Services dokumentiert. An allen Punkten des Betriebsprozesses, an denen im herkömmlichen Betrieb menschliche Interaktionen eingeplant sind, wird nun zunächst der Autopilot angesprochen. Dieser analysiert eingehende Daten und führt alle zur Ausfallvermeidung und Umgebungsveränderung notwendigen Aktionen automatisch durch. Erst wenn die Maschine einen Arbeitsschritt nicht vollenden kann, nimmt sie Kontakt zu den jeweiligen Experten auf und übergibt diesem das Problem mit einem definierten Status und der fertig vorbereiteten Analyse.

Budgetverteilung

Private Cloud statt reiner Server-Konsolidierung

Im neuen arago-Konzept schafft nun eine Private Cloud Abhilfe. Im Gegensatz zur einfachen Virtualisierung, die mehrere virtuelle Server auf einem physischen Server zusammenlegt, um Hardware einzusparen, werden hier sämtliche Ressourcen vollständig dynamisch zugewiesen. Man muss also gar nicht mehr wissen, auf welcher physischen Maschine die aktuelle virtuelle Datenbank- oder Applikations-Server-Instanz läuft. Gerade im E-Business-Umfeld, wo oftmals kurzfristig skaliert werden muss oder eine zusätzliche Applikation hinzukommen soll, muss dann kein physisches oder virtuelles System um CPU oder Speicher erweitert werden. Stattdessen wird die zusätzliche Applikation auf dieser Cloud eingerichtet und solange in der Summe noch genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, kann die Applikation sofort laufen. Außerdem erlaubt diese Konfiguration auch das kurzfristige Hinzukaufen von Rechnerkapazitäten, so dass auch ein kurzfristiger Mehrbedarf etwa für eine Marketing-Kampagne nicht in eigentlich nicht benötigten Hardware-Investitionen mit einer unausweichlichen Steigerung der Fixkosten mündet. Verglichen mit herkömmlichen physischen oder virtuellen Servern erreicht man so eine wesentlich höhere Flexibilität. Neben der automatischen Lastverteilung ergibt sich so zugleich höchste Ausfallsicherheit: Falls nämlich eine physische Maschine ausfällt, laufen die betreffenden virtuellen Maschinen einfach auf einer anderen physischen Maschine in der Cloud weiter.

Mögen diese Vorteile auch überzeugend scheinen, war Virtualisierung bislang bei IT-Betreibern nur als punktuelle Lösung im Einsatz, um Systeme kostengünstig bereitzustellen, für die sich eine eigene Hardware-Anschaffung nicht lohnte. Nach wie vor existieren erhebliche Vorbehalte, eine komplette Umgebung zu virtualisieren, gerade bei I/O-kritischen Anwendungen oder zentralen Datenbanken. Mit der neuesten Generation der Virtualisierungs-Produkte lässt sich ein virtueller Server aber mittlerweile genauso an ein SAN anschließen wie ein physischer, so dass keinerlei Engpässe mehr bestehen. Entsprechend positive Erfahrungen mit dem Private-Cloud-Ansatz hat arago auch bereits im eigenen Rechenzentrum gesammelt.

Unter dem Strich lohnt sich die Kombination aus Autopilot und Private Cloud für Kunden. Für den Kunden steht hier die deutliche Preissenkung bei Verbesserung der abrufbaren Leistung und völliger Flexibilität im Vordergrund, für den Betreiber entscheidend sind die höhere Ausfallsicherheit, die Unabhängigkeit von physischer Infrastruktur und insbesondere der automatisierte Betriebsablauf bis auf Anwendungsebene, welche den Betrieb ohne Margenverlust in Zeiten sinkender Marktpreise sichern und den Kunden binden kann.

Für die Zukunft sind weitere Einsparungen bereits programmiert: Statt wie früher mit mehreren Wochen Vorlauf neue Hardware anschaffen zu müssen, kann jederzeit eine neue virtuelle Maschine in der Private Cloud bereitgestellt werden, wenn etwa eine Fachabteilung eines Kunden eine neue Anwendung betreiben will. Das erforderliche Capacity-Management muss lediglich dafür sorgen, dass die Ressourcen in der Summe ausreichen und notfalls irgendwann einen neuen Server hinzustellen.

Sollte eines Tages ein Umzug des Rechenzentrums anstehen, ist auch dieser dank Cloud leicht zu bewältigen: Sobald die Cloud um genügend Rechner am neuen Standort ergänzt ist, können die am alten Standort abgeschaltet werden – alles andere geht automatisch.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in der Kombination mit Automatisierung Cloud-Konzepte auch für solche Anwendungen nutzbar werden, die nicht speziell für eine Cloud entwickelt wurden. Somit erschließen sich die Vorteile von Cloud-Computing erstmals auch für die Legacy-IT und ermöglichen hier erhebliche Einsparungen bei Infrastruktur, Persona und nicht zuletzt auch der immer wichtiger werdenden Energie.

 Dieser Artikel wurde im Magazin arago UpDate! (Ausgabe 13) veröffentlicht.

 

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