Der zweite Veranstaltungstag der Hamburger IT-Strategietage beleuchtete die Kriterien, die die Attraktivität der CIOs beeinflussen sowie jene, die die Zufriedenheit von Usern und Techies mit ihrer IT steigern.
Selbst attraktiv sein
Was man/frau selbst tun kann, um als CIO, IT-Fach- oder Führungskraft attraktiv zu sein, wurde in einer Podiumsdiskussion durch vier Personalverantwortliche adressiert. Hard Skills kamen hier kaum zur Sprache, sondern v. a. Soft Skills. Das Non-Plus-Ultra ist eine charismatische Person mit Leadership-Mentalität und unternehmerischem Scharfsinn – bereichsübergreifend –, Kommunikationsfähigkeit v. a. in Social Media Kanälen, internationale Parkettfähigkeit mit cross- und internationalen Themen, Evidenz im Lebenslauf (die Erfahrung mal auf Business-Seite gearbeitet zu haben, kann jedoch nie schaden) gepaart mit einer verstärken Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Lernen ab 30 ist nicht verboten.
Die Attraktivität des CIOs bedeutet für die CIOs der adidas Group, Jan Brecht, und der ProSiebenSat.1 Media AG, Dr. Andreas König, seine Innovationskraft. Sie wird für den heutigen CIO zu einer Frage um Leben und Tod. Um letzterem zu entkommen, benötigt er wie seit jeher gute Ideen, um Innovationen zu schaffen. Diese müssen sich verkaufen, wie einst bei Erfinder Thomas Alva Edison. Kriterien, die Innovationskraft fördern, fasst König wie folgt zusammen: Genaue Kenntnis der Kosten bis auf den letzten Server und SLA, Analyse des IST-Zustandes (Warum bringen Mitarbeiter ihre eigenen Geräte mit? Wie lange läuft eine Lizenz / wann läuft sie aus? etc.), Start-Up-Denke und die dafür nötigen Freiräume.
Der CIO bei ProSiebenSat.1
Attraktive IT macht zufriedener
Wie durch eine attraktive IT User zufriedener werden, zeigten Uta Hahn, Geschäftsführerin der business group munich GmbH & Co. KG, und ihr Kunde Ricardo Diaz, Senior Vice President IT der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Hier steht die Kundenzufriedenheit im Fokus aller IT-Aktivitäten. Sie wurde durch die Einführung eines ServiceDesks gesteigert. Diese konsequente Kundenorientierung brachte dem Energielieferanten den Gewinn zahlreicher Awards ein.
Bei der Papier Union GmbH sind nicht nur Techies zufrieden, wenn die IT als Architekt der Unternehmensprozesse einen „Attractive Workplace“ schafft, sondern alle Teams. Diese interessante Sicht verdeutlichte der Leiter Informationstechnologie, Dr. Thomas Zachmann, in einer der insgesamt 14 Breakout Sessions. Seine Matrix zeigte, dass die Teams „Projekte“ und „Anwendungsunterstützung“ Menschen-orientiert mit kommunikativen Mitarbeitern, die Teams „Programmierung“ und „Infrastruktur“ dagegen Technik-orientiert mit eher introvertierten Mitarbeitern besetzt sind.
Völlig frei von Powerpoints warf Dr. Rainer Janßen, CIO der Munich Re, einen Blick auf das, was Anwendungsentwickler unzufrieden macht. Eine SOA scheint zu einer Frage der Überwindung von Egoprogrammen zu sein. Denn Entwickler seien keine „Weicheier wie BWLer oder Juristen“, sondern echte IT-Wissenschaftler und Kreative. Sie wollen bestehende Entwicklungen nicht wiederverwenden, sondern erst einmal zerstören („Was not invented here!“), um dann etwas Neues zu schaffen, auf das sie stolz sein können. Daher ist IT immer an die Rolle der Person gebunden. Angestrebt werden muss nicht die Industrialisierung, sondern die Professionalisierung der IT. Auch wenn grundsätzliche Veränderungen Zeit brauchen, lautete sein Appell: „Get on the road, have fun, run, and leave others behind you!“
In der Pause
Abgerundet wurden die Hamburger IT-Strategietage durch die Abschlusskeynote vom Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn. Er stellte nicht die „Attraktivität“ Deutschlands als IT-Standort in den Vordergrund, sondern als Kapitalgeber für die GIIPS-Länder in der Krise. Der Ökonom zeichnete die geschichtlichen Hintergründe nach, die zur heutigen Krise in Europa führten, zurückgehend zum Bretton-Woods-System, Beginn des Euro, Finanzkrise Ende des letzten Jahrzehnts bis hin zum heutigen Zahlungsbilanzdefizit in der Eurozone. Die ökonomische Logik, aber v. a. die Tragweite und Tragik im Wechselspiel von Ursache und Wirkung finanzpolitischer Handlungen kam unverblümt zur Sprache („In Deutschland wird das Geld zerschreddert und im Süden gedruckt.“)
Mein Fazit
Noch vor fünf Jahren standen Globalisierung der IT, Business-IT-Alignment und Outsourcing-Modelle auf dem Programm. Fragen nach dem Wertbeitrag der IT wurden diskutiert („Does IT matter?“ / „IT has value, but there is no value in determining what it is“). Ob durch BYOD, Clouds, Innovation, Social Media oder beschleunigte Time-to-Market-Prozesse, heute geht es um die Frage: Was macht IT attraktiv (oder lässt sie attraktiv erscheinen)?
Die Hamburger IT-Strategietage 2012 waren hinsichtlich Ausrichtung, Beiträgen der Referenten und Organisation eine rundum gelungene und hoch attraktive Veranstaltung.
Daniela Richeux ist Managing Director der dp real bonds und aragos Agentin für Neugeschäft.


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